Tutorial: Bitcoin verstehen
Eine kurze Einführung für alle, die neu hier sind und Bitcoin endlich verstehen möchten
Hi Neu-Abonnent!
Wenn Du neugierig auf Bitcoin bist, aber Dir noch nicht so sicher bist, worum es geht und wie man am besten beginnt, ist dieser Text genau richtig für Dich.
Eines vorab: Man sagt, um Bitcoin wirklich zu verstehen, braucht man mindestens zehn Stunden konzentrierte Beschäftigung mit der Thematik. Wer diese einmal investiert hat, sieht die Welt danach mit anderen Augen. Für diesen Text wirst Du etwa zehn Minuten Lesezeit brauchen.
Nach der Lektüre aber wirst Du ein Grundverständnis von Bitcoin haben, und wissen, wo Du noch tiefer eintauchen möchtest.
Los geht’s:
1) Bitcoin verstehen
Was ist Bitcoin?
Bitcoin ist digitales Geld oder Gold. Es ist nicht zensierbar, dezentral und in seiner Menge begrenzt. 2009 ist das Geburtsjahr von Bitcoin. In diesem Jahr publizierte Satoshi Nakamoto das Bitcoin-Whitepaper. Die große Finanzkrise war gerade in Gange. Mit Milliarden von Steuergeldern wurden Banken gerettet, die zuvor riskant spekuliert hatten. Der oder die Gründer von Bitcoin waren geleitet von der Idee, Geld zu schaffen, dass unabhängig von Staaten und Regierungen existiert und von diesen weder vermehrt noch in irgendeiner Weise beeinflusst werden kann.
Die Beschäftigung mit Bitcoin führt zwangsläufig zu einem tieferen Verständnis des Geldsystems. Seit US-Präsident Richard Nixon 1971 den Goldstandard aufhob, ist unser Geld an keinen realen Wert mehr gebunden. Neues Geld entsteht, wenn Kredite aufgenommen werden. Seitdem wächst die globale Geldmenge und die globale Verschuldung hat immense Ausmaße angenommen.
Die wahre Identität von Satoshi Nakamoto ist unbekannt. Wir wissen nur, dass er aus dem Umfeld der „Cypherpunks“ stammt, einer losen, libertären, anarchistischen Gruppe von Hackern und Nerds.
Bitcoin ist in seiner absoluten Menge auf 21 Millionen begrenzt. Bis heute wurden knapp 20 Millionen Bitcoin geschürft („gemined“).
Wie funktioniert Bitcoin?
Damit eine digitale Währung ohne eine zentrale Instanz wie einen Staat funktionieren kann, braucht es ein dezentrales, verlässliches Netz. Bitcoin-Miner verifizieren die Transaktionen. Diese Transaktionen werden zu einem „Block“ zusammengefasst, und an den vorherigen Block angehängt - daher der Begriff „Blockchain“. Dieser Prozess findet im Konsens statt. Menschen sind an keiner Stelle beteiligt. Die Blockchain-Technologie ist das Fundament des Bitcoin-Netzwerks.
Diese Verifizierungen von Transaktionen benötigen Energie in Form von Rechenleistungen, und das kostet Geld. Damit die Miner diese Arbeit erledigen und damit die Sicherheit des Netzwerkes gewährleisten, braucht es einen Anreiz. Der besteht in neuen Bitcoins. Die Miner nehmen durch ihre Arbeit an einer Art Wettbewerb teil. Dafür erhalten sie neue Bitcoins. Alle vier Jahre reduziert sich diese Belohnung um 50 Prozent. Diesen Prozess nennt man Halving.
Warum steigt Bitcoin im Wert?
Zunächst mal aus einem simplen Grund: Bitcoin ist in seiner absoluten Menge begrenzt. Die globale Geldmenge aber wird ständig erhöht. Ergo müssen knappe Güter im Kurs steigen. Der oft explosionsartige Anstieg von Bitcoin hat auch mit den Halvings zu tun: Miner verkaufen Bitcoins, um ihre Stromkosten zu decken. Alle vier Jahre kommen durch das Halving weniger Coins auf den Markt. Es kommt zu einem Angebotsschock, der sich meist in einer rasanten Kursrally ausdrückt.
Außerdem ist Bitcoin auf dem Weg, Gold als ultimativen Wertanker zu ersetzen. Deshalb denkt man in den USA über den Aufbau einer strategischen Bitcoin-Reserve nach.
Wie sicher ist Bitcoin?
Extrem sicher. Wenn jemand das Netzwerk kapern wollte, müsste er 51 Prozent der Rechenleistung (“Hashrate”) unter seine Kontrolle bringen - ein unglaublicher Aufwand an Energie oder Geld. Auch ein globaler Stromausfall würde Bitcoin nichts anhaben - solange auch nur ein einziger Computer mit den Informationen der Blockchain im Internet bleibt. Versuche, Bitcoin zu hacken, gibt es ständig. Funktioniert hat es nie.
Mehr dazu:
Podcast: Bitcoin Basics #1 - Was ist Bitcoin?
2) Bitcoin kaufen
Ok, der schwierigste Part liegt hinter Dir. Bitcoin kaufen ist wesentlich einfacher, als Bitcoin zu verstehen.
Ganz grundsätzlich funktioniert es wie bei Aktien: Man sucht eine Börse, legt sich ein Konto an und beginnt zu handeln. Zu den größten und bekanntesten Crypto-Börsen zählen Coinbase, Kraken, Bitstamp und im deutschsprachigen Raum Bitpanda. Diese Börsen bieten einen guten rechtlichen Rahmen an, verlangen aber auch nach einer Identitätsprüfung. Das ist meist relativ schnell erledigt. Anschließend überweist man Geld via Banktransfer oder Paypal dorthin und handelt.
Darüber hinaus gibt es Börsen wie Binance, Gate oder KuCoin, die keine Banklizenz besitzen. Das bedeutet, man kann dort nicht einfach Fiat-Geld hinschicken. Dort kann man dafür Bitcoin mit Hebel handeln. Und schließlich gibt es dezentrale Börsen („Decentralized Exchanges“ kurz DEX), die via Smart Contracts funktionieren.
Muss ich einen ganzen Bitcoin kaufen?
Nein! Ein Bitcoin besteht aus 100000000 Satoshis (kurz Sats). Auf Börsen wird dies mit Nachkommastellen angegeben, zum Beispiel „0,01 BTC“.
Was ist für Anfänger am besten geeignet?
Wer auch mit herkömmlichen Aktien wenig Erfahrung hat, wird sich deutschsprachigen Börsen leichter tun. Außerdem ist es ein großer Vorteil für Anfänger, wenn die Börse einen Sparplan anbietet. Dabei wird monatlich ein Betrag vom Konto abgebucht und damit Bitcoin gekauft.
Und was ist mit den ganzen anderen Coins?
Dafür gibt es hier bald ein extra Tutorial. Zunächst aber: Bitcoin ist aufgrund seiner Konstruktion und seines Netzwerks einzigartig. Alle anderen 10000 Altcoins sind in irgendeiner Form Nachahmer-Projekte.
3) Bitcoin verwahren
Dieser Punkt ist wieder etwas komplizierter. Zunächst mal: Du kannst Deine Coins natürlich auf einer Börse liegen lassen. Nur musst Du wissen, dass diese im Fall eines Hacker-Angriffs weg sein können. Diese Angriffe passieren zwar selten, aber sie kommen vor. Der bekannteste ist der Mount-Gox-Hack aus dem Jahr 2013 - damals die größte Bitcoin-Börse. Wenn Du Dich dafür entscheidest, die Coins auf einer Börse zu lassen, diversifiziere zumindest - sprich verteile die Coins auf verschiedene Börsen.
Eine sichere Art, Bitcoin zu verwahren sind Hardware Wallets. Diese bestehen aus 12, 20 oder 24 Wörtern, der sogenannten „Seed Phrase“. Die Wörter kann man als Papier oder eingraviert in eine Stahlplatte aufbewahren - oder sich einfach merken. Mit dieser „Seed Phrase“ lässt sich das Bitcoin-Vermögen über jede Grenze transportieren.
Gute Anbieter sind Ledger, Trezor oder die Schweizer Firma Relai.
Eine andere Lösung sind sogenannte „Multi-Sig-Wallets“. Dabei hat man nicht die „Seed Phrase“, sondern ein Gerät, eine App und ein Unternehmen - eines der bekanntesten ist Bitkey von Twitter-Gründer Jack Dorsey. Für eine Transaktion oder eine Wiederherstellung des Kontos benötigt man immer zwei der drei Faktoren.
Bitcoin-Sprech
BTFD - Buy the Fucking Dip. Kaufen, wenn die Kurse fallen, in der Gewissheit, dass sie langfristig steigen.
FOMO - Fear of Missing Out
FUD - Fear, Uncertainty and Doubt
HFSP - Have fun staying poor. Ikonischer Zuruf an Leute, die Bitcoin nicht verstehen wollen
Hodl - Tippfehler in einem Internetforum aus dem Jahr 2013, als jemand schreiben wollte, „to hold Bitcoin“. Seitdem Begriff für langfristiges Investieren in Bitcoin
Lambo - Lamborghini, Synonym für Reichtum durch Crypto
Moonboys - Leute, die frenetisch einen Coin hypen
NGMI - Not going to make it / wird nicht funktionieren
Orange Pilled - basierend auf dem Film Matrix, in dem Neo die blaue oder rote Pille angeboten wurde. Nach Einnahme der orangenen Pille hat man Bitcoin begriffen
Plebs - von „Plebejer“, Selbstzeichnung bescheidener Bitcoiner
Whale - Wal, Leute mit mehr als 100 Bitcoin
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