Rosa Elefanten
Deutschland setzt voll auf Rüstung. Warum die Militarisierung das Land in den Ruin führen wird.
This means: donating more ammunition and equipment; leveraging comparative advantages; expanding your defense industrial base; and importantly, leveling with your citizens about the threat facing Europe.
Pete Hegseth, US-Kriegsminister, Februar 2025
“Seit dem Jahr 2015 hat das Bruttoinlandsprodukt insgesamt inflationsbereinigt um neun Prozent zugenommen, (…). Der Staatskonsum ist hingegen um 29 Prozent gestiegen.”
Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts
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Deutschland ist im Rüstungstaumel. Es vergeht kein Tag ohne eine Meldung im Wirtschaftsteil, dass dieses oder jenes Unternehmen jetzt auch im „Defense“- oder „Security“-Geschäft tätig wird. Der Tenor im Mainstream: Das ist nun genau der Impuls, den die deutsche Wirtschaft braucht. Die deutsche Automobil-Industrie, noch vor zehn Jahren stolzes Aushängeschild, habe die Elektromobilitätswende verschlafen, Putin sei schuld an den hohen Energiepreisen und Trump habe mit seinen Zöllen alles verschlimmert. Außerdem sei da einfach eine „veränderte Sicherheitslage“. Investitionen in die Rüstung würden sich also ohnehin lohnen, weil ohne Sicherheit gäbe es schließlich auch keine funktionierende Wirtschaft.
Das Paradigma hat sich in den Köpfen der Eliten in Politik und Wirtschaft eingenistet. Es wird nicht mehr hinterfragt. Propaganda funktioniert - die Botschaft muss nur oft genug wiederholt werden. Wie bei Corona wird gar nicht mehr gefragt, ob der PCR-Test vielleicht gar nicht das sinnvolle Messinstrument für eine Viruserkrankung ist. Diskutiert wird nur noch über den R-Wert. Ob man vielleicht friedlich und auf diplomatischen Wege zu einer Lösung der Konflikte kommen könnte? Randmeinung, nicht der Diskussion wert. Aufrüstung ist zum Paradigma geworden, mit dem jetzt die deutsche Wirtschaft gerettet werden soll.
Die Aufrüstung wird Deutschland ruinieren. Nicht in zwei oder drei Jahren, aber in fünf oder zehn Jahren. Warum?
Dafür muss man einmal die Grundlagen menschlichen Wirtschaftens betrachten. Wer einen Kredit aufnimmt, kann dafür zwei Motive haben. Ein Unternehmer nimmt einen Kredit auf, um eine Maschine zu erwerben. Mit der Maschine kann er Waren produzieren und diese Waren verkaufen. Wirtschaftet er halbwegs sinnvoll und kommt sein Produkt gut an auf dem Markt, kann er den Kredit zurückzahlen. Mit der Investition hat er vielleicht Arbeitsplätze geschaffen und andere Unternehmer nutzen sein Produkt womöglich, um andere Güter herzustellen. Die Investition steht am Anfang eines positiven Kreislaufes. Insgesamt nimmt der Wohlstand für alle zu.
Das zweite Motiv, einen Kredit aufzunehmen, ist Konsum. Jemand leiht sich Geld, um einen Fernseher auf Raten zu kaufen. Ein Konsumkredit führt nicht zu mehr wirtschaftlicher Aktivität. Es wird schlicht etwas verbraucht. Deswegen sind die Zinsen für solche Kredite auch meistens höher.
Bei staatlichen Investitionen liegt die Sache etwas anders, aber das Prinzip ist dasselbe. Ein Staat kann sich Geld leihen, um zum Beispiel eine Straße oder eine Bahnstrecke zu bauen. Dadurch erhöht sich die Mobilität der Bürger, was ein wichtiger Faktor für wirtschaftliche Aktivität ist. Durch die Kreditaufnahme des Staates kann also ein Positiv-Kreislauf in Gang gesetzt werden.
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Nimmt der Staat Geld auf, um Konsumausgaben zu decken, führen die Kredite zu Inflation. Die Geldmenge im System steigt an, treffen aber auf dieselbe Gütermenge. In der Folge steigen die Preise.
Rüstungsausgaben ähneln Konsumkrediten. Ein Panzer oder eine Drohne wird beim Einsatz zerstört, oder sie rostet vor sich hin. Es entsteht kein neuer produktiver Wert.
Warum wird dann so oft von einem neuen Wirtschaftswunder durch Rüstung gesprochen?
Ein Gedankenexperiment: Die Wirtschaft von Lala-Land läuft seit einiger Zeit schlecht. Die Energiekosten sind hoch, im globalen Wettbewerb schneiden die Lala-Produkte nicht mehr gut ab, die Arbeitslosigkeit steigt. Einige Politiker haben einen genialen Einfall. Man stellt nun die ganze Produktion auf rosa Plastikelefanten um. Der Bau von rosa Elefanten wird mit „Sondervermögen“, sprich mit Krediten, gefördert. Unternehmen reißen sich um die Aufträge. Neue Arbeitsplätze entstehen. Bald werden überall im Lala-Land rosa Elefanten gebaut. Die Wirtschaft läuft, das BIP wächst auf einmal wieder um zwei, drei, vier Prozent. Alle sind zufrieden.
Das geht einige Zeit gut. Bis die ersten im Lala-Land feststellen, dass andere Länder in der Zwischenzeit etwas anderes als rosa Elefanten gebaut haben. Dort wurden die Zugstrecken saniert, ein Hochgeschwindigkeitsbahnnetz ist entstanden. Es gibt flächendeckend schnelles Internet. Unternehmen bauen selbstfahrende Autos und Roboter. Rentable Firmen bringen Satelliten ins All und bauen KI-gesteuerte Fabriken. Mit den Steuereinnahmen können die Regierungen dieser Länder kostenlose Kindergärten, ein gutes Ausbildungs- und ein finanzierbares Gesundheitssystem finanzieren.
In Lala-Land ist in dieser Zeit aber nichts dergleichen passiert. Es wurden lediglich rosa Elefanten gebaut.
Wie jede Analogie ist auch diese unterkomplex. Auch die Rüstung hat sogenannte „Multiplikatoren-Effekte“. Das heißt, bei der Erforschung neuer Drohnensysteme wird zum Beispiel auch das eine oder andere Gerät erfunden werden, das die Aussaat in der Landwirtschaft erleichtert.
Aber diese Spillover-Effekte der Rüstung auf andere Wirtschaftssektoren sind eben weitaus geringer als beispielsweise beim Maschinenbau. „Sondervermögen“ für die Verteidigung sind Konsumausgaben, keine Investitionen.
Dieser Staatskonsum in Deutschland wächst stetig. Sogar Clemens Fuest, Präsident vom ifo-Institut und sonst voll auf Aufrüstungslinie, gab im Handelsblatt zu, dass das zum Problem werde:
“Seit dem Jahr 2015 hat das Bruttoinlandsprodukt insgesamt inflationsbereinigt um neun Prozent zugenommen, (…). Der Staatskonsum ist hingegen um 29 Prozent gestiegen.”
Sicher, Deutschland könnte die neu geschaffenen Militärgüter irgendwann auch exportieren. Dann würde zumindest die volkswirtschaftliche Rechnung wieder halbwegs aufgehen. Deutschland ist aktuell übrigens jetzt schon der viertgrößte Exporteur von Waffen - nach den USA, Frankreich und Russland.
750 Milliarden will der deutsche Staat bis 2030 in die Rüstung investieren. Das entspricht etwa der Summe, die die vier großen Hyperscaler in den USA (Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft) in den Ausbau der KI-Infrastruktur investieren.
Eine Anleitung zum Reichwerden
„Sobald es einmal gebildet ist, reproduziert sich das Kapital schneller, als die Produktion zunimmt. Die Vergangenheit verschlingt die Zukunft.“







Die Deutschen rennen wieder wie die Schafe alle brav in eine Richtung: Aufrüstung, määäh!
Sehr interessant. Hmmm, das sieht leider nicht rosig für Deutschlands Zukunft aus.