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Zeit zu gehen

Warum ich in den kommenden Wochen diese Tech-, Chip- und KI-Aktien verkaufen werde

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Juni 21, 2026
∙ Bezahlt

Liebe Abonnenten,

der eine oder andere Leser wird vielleicht den Internet-Boom Ende der Neunziger Jahre miterlebt haben. Für mich war er meine erste Erfahrung mit dem Aktienmarkt. Zum 18. Geburtstag erhielt ich eine kleine Summe Geld, das ich in Aktien investierte. Ich kümmerte mich nur mäßig darum, aber ich weiß noch, dass sich mein Depot ohne großes Zutun von mir innerhalb von sechs Monaten verfünffacht hatte. Es dauerte noch weitere sechs Monate, da war mein Vermögen wieder auf seinen Startpunkt zusammengeschmolzen. Ich war einmal auf dem Papier reich gewesen - zumindest für einen 20-Jährigen. So ging es Millionen von Anlegern. In der Nachbarschaft, in der Uni, sogar auf dem Schulhof redeten alle über Internet-Aktien. Bis dann eines Tages niemand mehr darüber sprach.

Vor kurzem stieß ich auf den Artikel Do You Believe? aus dieser Zeit, der über die Wayback Machine noch lesbar ist. Er handelt von Aktienanalysten in dieser Zeit, die die Welt nicht mehr verstanden.

„1997, in einem Jahr, in dem Yahoo als Unternehmen um 242 Prozent wuchs, stieg die Yahoo-Aktie um 517 Prozent. (…) Nach den alten Regeln der Vor-Internet-Zeit hätte ein Unternehmen mit Yahoos Umsätzen und der erwarteten Wachstumsrate vielleicht eine Marktkapitalisierung von, sagen wir, 3 Milliarden Dollar rechtfertigen können. Stattdessen liegt Yahoos Börsenwert bei 34 Milliarden Dollar. Das KGV lag Mitte Mai bei etwa 1.062.“

Normalerweise nimmt man den Aktienkurs eines Unternehmens und teilt ihn durch den Gewinn. Dieses Kurs-Gewinn-Verhältnis kurz KGV gibt einem dann Auskunft darüber, ob die Aktie eher günstig oder teuer ist. Stark vereinfacht heißt das: Je niedriger das KGV ist, desto besser. Bloß was macht man mit Unternehmen, die gar keinen Gewinn machen?

„Schließlich kann man kein KGV haben, wenn es kein „G“ gibt — und die meisten Internetunternehmen waren noch Jahre davon entfernt, Gewinne auszuweisen. Dennoch schossen die Aktien in die Höhe, und die Marktkapitalisierungen erreichten gigantische Ausmaße“,

Der Text erschien am 6. Juli 1999. Es sollte noch rund 10 Monate dauern, bis die Dotcom-Bubble platzte - und ausgerechnet in diesen wenigen Monaten sollten die Aktienkurse am stärksten anziehen.

Doch 14 Monate später, im September 2001, waren diejenigen, die im Juni 1999 verkauft hatten, die Gewinner. Alle anderen Vermögen waren vernichtet beziehungsweise so dezimiert, dass die Anleger fast zehn Jahre warten mussten, bis sich die Kurse wieder erholt hatten.

Solche Börsenerfahrungen prägen. Sie brennen sich auf traumatische Weise ein in das Anlegergedächtnis - manchmal zu sehr. Ich habe bis heute Probleme, Gewinner laufen zu lassen und tendiere dazu, zu früh zu verkaufen. Vielleicht auch dieses Mal.

Ist 27 Jahre später alles anders? Nein, aber es ist auch nicht alles gleich. Am 12. Juni ist Elon Musk mit dem größten IPO aller Zeiten an die Börse gegangen. Millionen von Kleinanlegern kauften die Aktie eines Unternehmens, das Milliarden-Verluste schreibt, in einer Boom-Phase, in der KI-, Tech- und Data-Zentren-Aktien extrem heiß gelaufen sind. Zwei weitere Mega-IPOs - OpenAI und Anthropic - sollen folgen.

  • Wieder ist die Rede davon, dass eine ganz neue Ära anbricht, in der die alten Regeln nicht mehr gelten.

  • Wieder stehen wir an einem Punkt, an dem die Zentralbanken die Zinsen erhöhen müssen, weil die Inflation stark anzieht.

  • Wieder spürt man trotzdem immer FOMO, Fear of Missing Out.

Gleichzeitg gibt es tatsächlich zahlreiche Gründe, weshalb der Boom noch weitergehen kann.

Pro: Warum der Hype weitergeht

  • Der Ausbau der KI-Infrastruktur und die Aufträge vieler Unternehmen in der Wertschöpfungskette sind real. Das ist ein großer Unterschied zu 1999. Denn die Internet-Hypes damals machten keine Gewinne, teil noch nicht mal Umsatz. Heute aber ist echtes Geld im Spiel. Rund 750 Milliarden investieren die vier Hyperscaler Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft in den Ausbau der KI-Infrastruktur - allein dieses Jahr. Das soll, so Prognosen, immer weiter gehen.

  • Die meisten Aktien sind nicht einmal hoch bewertet: Das KGV von Alphabet liegt bei 28, das von Microsoft bei 22. Bei Memory-Chip-Herstellern wie Samsung und SKHynix ist es weitaus höher, aber vor allem, weil die aktuellen Gewinne noch nicht in die Kennzahl eingeflossen sind.

  • Die Gefahr, einen Megatrend wie KI zu verpassen, ist vielleicht größer, als eine Korrektur auszusitzen. Deshalb kann ich niemanden raten, jetzt auszusteigen oder zu verkaufen.

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Contra: Warum die Party demnächst endet

Aber der Sommer kommt, und es gibt Warnzeichen.

  • In den USA kommt es immer öfter zu NIMBY-Protesten. Das heißt, Bürger beklagen gestiegene Strom- und Wasserpreise wegen Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft. In der heißen Phase des Wahlkampfes für die Midterms im November wird das Thema werden. Bernie Sanders zum Beispiel forderte schon eine Übergewinnsteuer von KI-Gewinnen von 50 Prozent. Das bedeutet: KI wird zum politischen Thema. Aktuell befinden wir uns in den USA und in China im Modus „Volle Kraft voraus“. Von hier aus kann es nur zu mehr politischen Beschränkungen kommen, nicht weniger.

  • Die Hyperscaler, also Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta, haben ihre Capex-Investitionen zwar noch nicht zurückgefahren, aber sie finanzieren sie anders. Noch vor einem Jahr saßen die Unternehmen auf Milliarden Cash, das sie investieren konnten. Der weitere Ausbau wird anders finanziert. Alphabet hat 80 Milliarden US-Dollar durch die Ausgabe neuer Aktien aufzubringen. NVIDIA gab diese Woche bekannt, sich etwas über 20 MIlliarden zu leihen. Das bedeutet auch: Aktienrückkaufprogramme, die den Kurs bisher stützten, laufen aus. Optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass schon ab 2028 die Gewinne wieder sprudeln. Aber ob das wirklich so eintrifft?

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    Oliver Groß@minenergybiz
    This is a wild chart and prediction Free Cash Flow Outlook of Hyperscalers: Alphabet, Meta, Microsoft, Amazon 🔥
    8:24 AM · Jun 14, 2026 · 16K Aufrufe

    10 Antworten · 12 Reposts · 55 Likes
  • IPOs sind Top-Signale. Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, beginnen die frühen Investoren zu verkaufen. Das Mediengetrommel muss laut sein und voller Versprechungen auf eine verheißungsvolle Zukunft. Denn Privatanleger müssen bereit sein, den Investoren ihre Anteile abzukaufen. Sie aber stehen am Ende der Nahrungskette. Nach dem Privatanleger-Hype kommt der Crash.

Warum also jetzt aussteigen, wo doch die Party gerade zu beginnen scheint? Weil an der Börse wird die Zukunft gehandelt, nicht die Gegenwart. Zuerst werden die Aktienkurse fallen, dann folgen die Gewinnwarnungen und Investitionskürzungen.

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JTheretohelp1@JTheretohelp1
Semiconductors: This is an earnings bubble... The problem is that earnings bubbles tend to burst before analysts see them coming writes BCA. "Historically, stocks have rolled over well before consensus earnings forecasts were cut. The market usually knows first."-BCA Research
1:43 PM · Jun 18, 2026 · 18.7K Aufrufe

17 Antworten · 36 Reposts · 229 Likes

Der Crash wird nicht das Ende des KI-Booms bedeuten. Genauso wenig wie der Crash 1999 das Ende des Internetbooms markierte. Danach ging es erst richtig los. Aber bis die Bewertungen wieder die Niveaus erreichten, vergingen Jahre. Dieses Mal wird es schneller gehen: Die USA können sich einen fallenden Aktienmarkt nicht lange leisten. Zu viele Menschen haben ihre Altersvorsorge in Aktien. Geld wird gedruckt werden, um die Kurse wieder in neue Höhen zu treiben.

Ich habe mich trotzdem oder deswegen dazu entschlossen, in den kommenden Wochen zu verkaufen. Wie und was - das erfährst Du im Paid-Abo.

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Markt-Update vom 17.6.26

BlingBling
·
Jun 17
Markt-Update vom 17.6.26

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