What the Swap
Worum es im Iran-Krieg wirklich geht
Liebe Abonnenten,
diese Woche sind die Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC ausgestiegen und erhalten dafür im Gegenzug eine Swapline aus den USA. Bis das Öl aus den VAR den Weltmarkt erreicht, wird Zeit vergehen. Für den Ölpreis hat das maximal eine psychologische Bedeutung. Aber auch wirkte offensichtlich nicht: Öl der Marke Brent erreichte diese Woche den höchsten Stand seit 2022. Die US-Dollars durch die Swap-Lines aber fließen sofort.
Eine Swap-Line kann man sich wie eine direkte Geld-Leitung zur amerikanischen Zentralbank vorstellen. Länder, die so eine Leitung haben, kommen schnell und unkompliziert an US-Dollar. Die kriegen sie zwar auch nur geliehen und müssen Sicherheiten hinterlegen, aber das geht wesentlich unkomplizierter als auf dem freien Markt: Da müssten sie US-dollar gegen ihre eigene Währung tauschen, was wiederum Druck auf den Kurs macht. Das trifft besonders Schwellenländer in Energiekrisen besonders hart. Da die allermeisten Länder Energie importieren müssen, steigen deren Kosten rapide an, da Energie in US-Dollar abgerechnet wird. Wer jetzt keine Swap-Line hat, dessen Währung fällt meist in den Keller, was zu einer Kaskade von weiteren Problemen führt. Am Ende steht der Staatsbankrott.
Derzeit haben fünf Zentralbanken solche Swaplines: Die Bank of England, die EZB, die Zentralbank von Kanada, der Schweiz und Japan. Also enge Verbündete der USA. Dass die VAR nun auch eine erhalten, zeigt, wie eng die Emirate mit den USA zusammenarbeiten.
Jetzt kann man sich die Frage stellen: Was springt für die USA dabei raus? Warum sendet die amerikanische Zentralbank Geld aus - fast ohne Gegenleistung? Natürlich rechnet man damit, dass die VAR nun auch ihre Ölproduktion ausweiten und so Druck vom Ölpreis nehmen. Das aber wird dauern. Bei der eigentlichen Antwort muss man etwas größer denken.

1973 beendete Richard Nixon den Goldstandard. Im Grund genommen war das nichts anderes als ein Staatsbankrott. Die USA hatte nicht mehr so viele Goldreserven, um all ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Da sie aber gleichzeitig die mächtigste Militärmacht der westlichen Welt waren, war Nixon in der Lage, seinen Verbündeten, ein neues System zu diktieren: Das Petrodollar-System.
Die USA schlugen zunächst dem saudische Königreich einen Deal vor. Saudi Arabien war damals der größte Ölproduzent der Welt, und dieser sollte fortan sein Öl nur noch in US-Dollar abrechnen - egal, ob die Käufer Inder, Deutsche oder Mexikaner waren, sie alle mussten fortan saudisches Öl mit US-Dollar bezahlen. Im Gegenzug boten die Amerikaner den Scheichs militärischen Schutz und die Möglichkeit, ihre US-Dollars in den USA verzinsen, indem sie amerikanische Staatsschulden kauften. Das
Das Petrodollar-System war geboren und hatte den Goldstandard ersetzt. Der US-Dollar war jetzt nicht mehr durch ein unzerstörbares, seltenes Edelmetall gedeckt, sondern durch einen im Überfluss vorhandenen, schnell verpuffenden Energieträger.
Da Öl für Produktivität stand, konnten die USA nun die Geldmenge im Akkord zur geförderten Ölmenge erhöhen. Mehr Öl bedeutete eine steigende Produktivität und die führt zu einer steigenden Gütermenge. So lange die Gütermenge steigt, kann die Geldmenge erhöht werden, ohne dass es zu einer Inflation kommt.
Das System war genial, aber bröckelte mit dem Aufstieg Chinas. Ab den 2000er Jahren wurde China zur Fabrik der Welt, während die Industrie in den USA pleite ging oder abwanderte. Produktivitätsgewinne entstanden immer öfter in der Volksrepublik, während die USA immer mehr US-Dollar schuf.
Mit zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China - unabhängig davon, ob nun Donald Trump oder Xi Jinping die auslösende Person war - wuchs für Peking die Versuchung, den Umweg über den US-Dollar auszulassen. Wenn China in Brasilien Öl und Sojabohnen kaufte, und im Gegenzug Computer und Elektroautos verkaufte - warum sollten die beiden Staaten den Handel in einer dritten Währung abwickeln?
Markt-Update 30.4.2026
Für zahlende Abonnenten: Was tun mit der neuen Steuer auf Bitcoin-Gewinne? Außerdem: Neues vom Ölpreis und Big Tech
Auch der Iran, der unter starken US-Sanktionen litt, verkaufte sein Öl an China und ließ sich damit in chinesischen Yuan bezahlen. Warum auch nicht? China ist seit 2013 der größte Handelspartner des Iran. Überhaupt: China war 2023 für 60 Volkswirtschaften der größte Handelspartner. Zum Vergleich: Die USA waren 2023 für 33 Volkswirtschaften der größte bilaterale Handelspartner.
BlingBling hat oft beschrieben, wie sich die globale Finanzordnung und mit ihr das Petrodollar-System auflöst und eine neue Multipolarität entsteht. Wenn der US-Dollar seinen Status als globale Leitwährung verliert, dann muss etwas an seine Stelle treten: Ein Korb von anderen Währung, Bitcoin, Gold.
Was wir seit ein paar Wochen sehen, ist der Versuch der Trump-Administration, die Uhr zurückzudrehen. Chinas Ölzufuhr wird eingeschränkt, und einer Swapline zu den Vereinigten Arabischen Emiraten die Verbreitung des US-Dollar gestärkt.
Ein letztes Rückzugsgefecht?
Heute ist auch der April-Report erschienen.
Dieses Mal geht es unter anderem um ein Unternehmen aus Japan, das an einem KI-Bottleneck sitzt. Die Aktie sollte überproportional vom KI-Boom profitieren. Außerdem: Wie ich auf einen steigenden Ölpreis setze.
Ein Paid-Abo bringt Dir außerdem:
ein wöchentliches Markt-Update zu den wichtigsten Sektoren: Bitcoin, Tech-Stocks, Gold, Öl und andere.
und monatlich ein Blick in mein eigenes Portfolio: Was ich kaufe, verkaufe und einfach hodle.
Das sind die Teile, die ich so nicht frei veröffentliche - eben weil es konkret um Geld geht. Oft drehen sie sich um Bitcoin, aber nicht nur. Paid-Abonnenten sind Teil einer Community, sie teilen eine bestimmte Weltsicht: kritisch, klug und freiheitlich.





