Verspieltes Vertrauen
Bald müssen die USA mehr Zinsen bezahlen als der gesamte Verteidigungs-Etat ausmacht.
Der linke Ökonom Maurice Höfgen ist so etwas wie der unfreiwillige Clown der Bitcoin-Szene. Immer wieder fällt der Selbstvermarktungs-Ökonom mit Harry-Potter-/Klassensprecher-Charme mit abstrusen Äußerungen auf. Die neuste lautete: „Bitcoin ist schlecht, weil damit könnten wir keine Kriege finanzieren.“ Der Spott, den er in der Bitcoin-Szene dafür erntete, war enorm.
Immerhin hat Höfgen eine alte Debatte angestoßen, nämlich die, ob eine harte Währung, die eine Regierung nicht nach Belieben vermehren kann, Kriege wenn auch nicht verhindern, so doch in ihrer Dauer begrenzen kann.
Wie auch alle anderen kriegsführenden Parteien gab auch das Deutsche Reich 1914 die Goldbindung der Reichsmark auf. Seit 1871 hatte in Deutschland wie auch in nahezu alle anderen Staaten der Welt ein Goldstandard gegolten. Die Zentralbanken garantierten zu jeder Zeit, Banknoten zu einem festen Kurs in Gold umzutauschen. Im Umkehrschluss konnte ein Staat auch nur so viel Geld ausgeben, wie er an Goldreserven besaß. Um einen Weltkrieg zu führen, war das ein eher unpraktisches System. Schließlich ging es darum, so schnell wie möglich mehr Kanonen, Munition und Maschinengewehre als der Gegner zu produzieren. Also wurde der Goldstandard aufgehoben - natürlich mit der Zusicherung, ihn nach dem Siegfrieden wieder einzuführen.
Da man sich im Deutschen Reich (wie überall anders auch) sicher war, einen Verteidigungskrieg zu führen, von dem das Überleben der deutschen Nation, sowie Freiheit, Wohlstand und natürlich Weltfrieden abhingen, war man sich nicht zu schade, die deutsche Bevölkerung um Mithilfe zu bitten. In den vier Kriegsjahren zwischen 1914 und 1918 gab die Regierung insgesamt neunmal Kriegsanleihen aus in Höhe von 98 Milliarden Reichsmark aus. Diese deckten rund 60 Prozent der Kriegskosten. Das Geld kam aus dem deutschen Bürgertum. Dieses glaubte daran, das geliehene Geld bald real verzinst zurückzuerhalten. Schließlich standen die Mittelmächte 1917 bekanntlich nur ganz knapp vor dem Siegfrieden:
Wie all dies endete, ist bekannt: Die gewaltigen Schulden sowie die nach dem Frieden von Versailles 1918 aufgelegten Reparationen wurden weg-inflationiert. Am Ende war vom deutschen Bürgertum nicht mehr viel übrig. Eine Mittelschicht gab es nicht mehr, dafür Millionen von in die Armut abgerutschten Deutschen, die 1933 anfällig für unrealistische Versprechen und eine monströse Sündenbock-Theorie waren.
Ein Konflikt im Nahen Osten hat stets die größte emotionale Wirkung auf die Weltgemeinschaft. Der Drang, sich zu positionieren und solidarisieren, ist hier am höchsten – während blutigere Kriege wie zum Beispiel im Jemen uns eher kaltlassen. Darüber hinaus aber ist die Eskalation in einer Art Weltkrieg hier tatsächlich am größten. Dazu später etwas mehr.
Zunächst eine Tatsache, die angesichts der Erregung und der zahlreichen Schlagzeilen in Vergessenheit gerät: die Kosten.
Seit Februar 2022 haben die USA die Ukraine mit 110 Milliarden US-Dollar unterstützt.
Die Unterstützung für Israel macht sich vergleichsweise klein aus: 15 Milliarden gingen im vergangenen Jahr nach Tel Aviv.
Biden aber hat gerade den Kongress darum gebeten, mehr Geld bereitzustellen. Im Mittelmeer hat sich gerade die größte US-Flotte der Geschichte versammelt. Noch ist nicht ganz klar, ob sie der Abschreckung dient, oder zum Ziel hat, Iran und Syrien als Verbündete Russlands ein für alle mal auszuschalten.
Das klingt alles nach unglaublich viel Geld. Es ist nur relativ gering, wenn man es mit einer anderen Zahl vergleicht:
Dieses Jahr zahlt die US-Regierung 659 Milliarden US-Dollar Zinsen. Zinsen, richtig gehört. Es geht nicht um Rückzahlung von Schulden, es geht um Zinsen, die auf bestehende Schulden geleistet werden müssen. Die Grafik zeigt, dass der Anstieg sich 2020 nochmals rasant beschleunigt hat.
Das liegt mitunter daran, dass die Zinsen gestiegen sind. Während sich die USA in den vergangenen zehn Jahren noch relativ bequem mit 0,5-1 Prozent oder sogar noch weniger verschulden können, liegt der aktuelle Zinssatz für 30-Jährige Staatsanleihen bei über 5 Prozent.
Die Zinsen erhöhte man, um die Inflation zu bekämpfen. Das funktionierte bisher so leidlich, könnte sich aber schnell ändern, sollte der Konflikte im Nahen Osten eskalieren. Öl ist nach wie vor die wichtigste Input-Größe für alle Güter. Ein Krieg in der Region, insbesondere Kampfhandlungen in der Straße von Hormuz aber könnten den Ölpreis in die Höhe treiben, was sich dann einige Monate später in der allgemeinen Inflation niederschlägt.
All das hat nun eine Art „Schuldenspirale“ geführt: Weil zu den Kriegen nun auch noch die gestiegenen Zinszahlungen gekommen sind, braucht die Regierung mehr Geld und muss noch mehr Schulden aufnehmen. Damit die Welt weiterhin US-Staatsanleihen kauft, müssen die Zinsen hoch bleiben. Bleiben die Zinsen hoch, steigen die Zinszahlungen der US-Regierung und so weiter. Hedge Fund Manager Paul Tudor Jones sagte kürzlich zu CNBC:
"As interest costs go up in the US, you get in this vicious circle, where higher interest rates cause higher funding costs, cause higher debt issuance, which cause further bond liquidation, which cause higher rates, which put us in an untenable fiscal position,"
= Damn if you do, damn if you don’t.
Die USA, das muss man an dieser Stelle betonen, sind der einäugige König unter den Blinden. Die größte Volkswirtschaft ist mit 120 Prozent zur Wirtschaftsleistung verschuldet. Bei Japan sind es knapp 300 Prozent. Die Pax Americana gilt seit 70 Jahren in der westlichen, und seit 30 Jahren auf der ganzen Welt. Das System funktioniert, solange Anleger Vertrauen darin haben, dass das Geld dort produktiv angelegt ist - und das amerikanische Militär die globalen Handelswege schützt. Erst wenn das Vertrauen in das Imperium schwindet, zum Beispiel durch Niederlagen in Kriegen, beginnt die Flucht aus den Kriegs- Staatsanleihen.
Gold und Bitcoin dagegen bringen keine Zinsen. In der Niedrigzinsphase zwischen 2010 und 2021 war dies die Erklärung, warum beide Assets so stark stiegen. Normalerweise aber fließt bei steigenden (Real-)Zinsen Kapital zu Anleihen: Warum sollte man sein Kapital in unverzinste Anlagen investieren, wenn die „sicherste Anlage der Welt“ - US-Staatsanleihen - fünf Prozent einbringen?
Die Tatsache, dass Gold und Bitcoin dieses Jahr trotz hoher Zinsen gestiegen sind, liegt eventuell daran, dass der Markt nicht mehr so überzeugt ist, dass US-Anleihen so sicher sind.
Diese Woche vor 15 Jahren wurde übrigens das Bitcoin-Whitepaper veröffentlicht. Happy Birthday!










Hat die 8 auf dem Poster der Wiener Kommerzial Bank was zu bedeuten, oder ist das ein hochgestelltes Endloszeichen der Geldschöpfung?
Wollte nur mal einen Hinweis auf die im Internet und sogar bei YouTube auffindbare Rede von Benjamin Friedman im Willard Hotel geben.
Dann könnt Ihr Euch den einen oder anderen Konjunktiv bzw. spitze Bemerkungen in Richtung unserer deutschen Großväter und Urgroßväter sparen. Es ging wirklich um das Überleben der deutschen Nation, sowie Freiheit, Wohlstand und Weltfrieden. Hat leider nicht geklappt, aber deswegen unsere Vorfahren zu diskreditieren, wo sie ihr ganzes Leben für den Versuch geopfert haben, ist schäbbig.