Halbzeit
In einem Jahr findet das nächste Bitcoin-Halving statt. Bislang führt dies immer zu einer Kurs-Rally. Warum das Ereignis so wichtig ist, und wie man sich darauf vorbereitet
Liebe Abonnenten,
die Stimmung ist angesichts der Anklagen der SEC gegen Coinbase und Binance nicht gerade gut. Aber gerade deshalb wird Bitcoin für langfristig ausgerichtete Investoren aktuell interessant. Denn in weniger als einem Jahr findet das vierte Bitcoin-Halving nach. Seit der Entstehung von Bitcoin 2009 kam es um dieses Ereignis immer wieder zu rasanten Kursanstiegen.
Warum ist das eigentlich so? Wiederholen sich die Rallys von 2017 und 2021? Und wie bereitet man sich darauf vor? Darum geht es im folgenden Artikel für zahlende Abonnenten.
Das Bitcoin-Netzwerk wird von den Minern geschützt. Sie investieren ihre Rechenleistung, um das Netzwerk gegen Hacker-Angriffe zu schützen und verifizieren die Transaktionen. Als Belohnung erhalten die Miner Bitcoin. Dies ist die einzige Art und Weise, wie neue BTC auf den Markt gelangen. Denn früher oder später verkaufen die Miner ihre Bitcoin, um die Stromkosten zu decken.
Beim etwa alle vier Jahre stattfindenden Halving halbiert sich die Anzahl der Bitcoin, die die Miner für ihre Arbeit erhalten. Aktuell sind es noch 6,25 BTC pro verifizierten Block. Ab dem 28. April 2024 werden es nur noch 3,125 sein. Das heißt, die Belohnung der Miner sinkt, und damit verknappt sich das Angebot. Es treffen also weniger neue Bitcoin auf eine - eventuell - steigende Nachfrage. Dieser Mechanismus hat in 2013, 2017 und 2021 jedes Mal gigantische Rallys ausgelöst. Um die Implikationen des Halvings zu verstehen, hilft ein Blick auf traditionelle Rohstoff-Märkte:
Die Unze Gold wird derzeit für rund 1950 US-Dollar gehandelt. Um das Gold abzubauen, müssen Minen-Unternehmen in Energie, Maschinen und Fachkräfte investieren. 2022 lagen die durchschnittlichen Kosten für den Abbau einer Unze Gold bei knapp 1300 US-Dollar (übrigens ein historischer Höchstwert).
Die Grafik zeigt die durchschnittlichen Produktionskosten einer Unze Gold (AISC) und den Goldpreis.
Der Mechanismus bei nahezu allen Rohstoffen ist folgender: Steigt die Unze im Preis, wird es für mehr Unternehmen attraktiv, nach Gold zu schürfen. Genauso gilt: Steigt Zucker im Preis, beginnen mehr Landwirte, Zuckerrüben anzubauen. Das Angebot erhöht sich nach einiger Zeit, und in der Folge sinkt das Gut wieder im Preis. Ein neues Gleichgewicht hat sich gebildet. Dasselbe funktioniert in die Gegenrichtung: Sinkt die Unze Gold im Preis, arbeiten nicht so rentable Minen mit Verlust und müssen schließen. In der Folge verknappt sich das Angebot, der Kurs des Gutes steigt wieder.
Dieser natürliche Gleichgewichts-Mechanismus ist bei Bitcoin durch den Algorithmus ausgeschaltet: Das Angebot nimmt nicht zu, weil Bitcoin im Kreis steigt, und es nimmt auch nicht ab, wenn Bitcoin fällt. Es verknappt sich nach festen Regeln alle vier Jahre um 50 Prozent. Das ist der Grund, warum es mit einer nahezu unheimlichen Regelmäßigkeit alle vier Jahre eine Kursexplosion gibt.
Natürlich ist die Angebotsverknappung nicht die einzige Kraft, die auf den Kurs wirkt. Zu einem Kursanstieg kommt es nur, wenn die Nachfrage stabil bleibt. In den vergangenen Jahren aber hat sie sogar noch weiter zugenommen. Bitcoin gelang es mit jedem Zyklus, sich fester im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Anfangs waren es Nerds und Cypherpunks, später Startup-Unternehmer und Venture-Capital-Funds, im vergangenen Zyklus gelang Bitcoin der Sprung in die etablierte Finanz-Industrie. Manche halten den Einstieg von Zentralbanken für den nächsten Schritt.
Das Halving ist also keine Garantie für eine Rally, aber eine starke Kraft, die auf steigende Preise hindeutet. Und angesichts der Entwicklung der makroökonomischen Umfelds ist es nicht unwahrscheinlich, dass die von vielen sehnlichst erwartete Zinswende, zeitlich mit dem Halving zusammenfällt. Hinzu kommt der Antrag des Vermögensverwalters Blackrock auf einen Bitcoin-ETF, der ein zusätzlicher Katalysator sein könnte.
BlingBling rechnet damit, dass die Youtuber und Crypto-Influencer sich in den kommenden Monaten wieder mit Kursprognosen überschlagen werden. Während ich das Halving grundsätzlich als positive Kraft für den Kurs sieht, wäre ich mit übertriebenen Kurszielen auch vorsichtig. Hier mal als Erinnerung, was vor zwei Jahren so gehypt wurde. Kurse von über 100000 US-Dollar, und sogar 200000 galten quasi als ausgemacht.
Tatsache ist wohl auch, dass die prozentualen Gewinne bei jedem Halving etwas zurückgehen. Trotzdem sind Kurse von über 100k im entsprechenden makroökonomischen Umfeld ab 2025 durchaus möglich.
Konservative Sparpläne, mit denen man regelmäßig und automatisch kleinere Beträge in Bitcoin investiert, sind für die allermeisten deswegen wahrscheinlich die beste Wahl, von der nächsten Rally zu profitieren.







