Good job, Mr. President!
Wie die USA Deutschland von amerikanischem Flüssiggas abhängig machten, und dann begannen, den Hahn zuzudrehen
Liebe Abonnenten,
während sich in den vergangenen Wochen Millionen von Deutschen mit sehr viel Gratis-Mut auf den Straßen versammelten, um „gegen Rechts“ zu demonstrieren, gingen zwei Meldungen etwas unter. Die erste: Die Klimakleber kleben nicht mehr. Das Bewusstsein für die Klimafrage sei nun in der Bevölkerung hoch genug, da brauche es die Straßenblockaden nicht mehr, hieß es von Seiten der Letzten Generation als Begründung.
Die zweite Meldung hat ebenfalls mit fossilen Energieträgern zu tun. Präsident Biden hat vergangene Woche einen Stopp neuer Exportgenehmigungen von Flüssiggas nach Europa verkündet. Aus Klimagründen, lautete die offizielle Begründung. Die USA wählen ja in ein paar Monaten, da wolle man potenzielle Wähler nicht mit einer schlechten Klimapolitik verärgern.
Soso.
Die Begründung ist nun etwas eigenartig, denn wer aufgepasst hat, weiß, dass heute nicht Saudi-Arabien, nicht der Iran und nicht Russland der größte Produzent von fossilen Energieträgern sind, sondern die USA.
Möglich gemacht hat dies die Fracking-Revolution Mitte der Nuller Jahre. Mit neuen Techniken ließen sich Öl und Gas aus Gesteinsschichten lösen. Je besser die Technologie wurde, desto billiger wurde der Abbau. Den USA bescherte dies einen einzigartigen Wirtschaftsboom, der gleichzeitig die Macht der OPEC+ brach. Noch in den 1970er Jahren hatte ein Öl-Embargo arabischer Staaten aus Protest gegen die Unterstützung Israels (Geschichte wiederholt sich nicht, aber reimt sich bekanntlich), im Westen eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst. Öl wurde teuer, und das trieb die Preise sämtlicher Güter in die Höhe. Die Inflation konnte nur durch massive Zinserhöhungen bekämpft werden, was wiederum zu einer Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit führte, der sogenannte “Volcker-Schock”, mehr dazu hier:
Der Schifffahrtsverkehr im Roten Meer, einer der Lebensadern der Weltwirtschaft, ist gerade zum Erliegen gekommen. Der Ölpreis aber hat bisher kaum darauf reagiert. Das hat auch damit zu tun, dass die größte Volkswirtschaft der Welt heute nicht mehr vom Öl aus dem Nahen Osten abhängig ist. Der Öl- und Gas-Boom ab den 2010er Jahren ermöglichte auch eine Niedrigzinspolitik, die wiederum die Kurse zahlreicher Assets in die Höhe trieb. Bitcoins sagenhafte Erfolgsgeschichte wäre ohne diese ungewöhnlich lange Niedrigzinsphase wohl anders verlaufen.
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Es gab nur eine Entwicklung, die die Party trübte. In Europa und Asien begann sich ein Prozess abzuzeichnen, der aus Washingtons Sicht zu einem Problem führen würde. Deutschland, immerhin viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, begann immer mehr Öl und Gas aus Russland zu beziehen. Dieses kam zu Teilen aus einer Pipeline, die durch die Ukraine führte. Da es aber immer wieder zu Konflikten zwischen Moskau und Kiew kam, und Putin gerne Gas als Druckmittel einsetzen wollte, ohne seine Abnehmer in Berlin zu verärgern, stieg in Deutschland und Russland das Bedürfnis nach einer autonomen Lösung. 2011 wurde Nordstream 1 in Betrieb genommen - sehr zum Ärger Washingtons. Als dann auch noch Nordstream 2 gebaut wurde, kündigte man, Mittel und Wege zu finden, dies zu verhindern.
So kam es dann auch.
Man kann diese Strategie auch als Teil der Brzezinski-Doktrin verstehen. Diese geht auf ein 1997 vom gleichnamigen Präsidenten-Berater veröffentlichtes Buch „The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives“, wonach ein Zusammenschluss eurasischer Kräfte (z.B. Deutschland - Russland - China) unbedingt verhindert werden müsse, wenn die USA ihre globale Dominanz bewahren möchten. Berlins enge Beziehungen zu Peking, wo insbesondere die deutschen Autokonzerne beste Geschäfte machten, war aus amerikanischer Sicht ebenso störend. Kurz bevor Nordstream 2 in die Luft flog, war Scholz noch zu einem persönlichen Briefing in Washington gewesen, ohne Tross und Journaille. Das dann folgende Ereignis rief bei ihm - wie auch sonst kaum etwas - keine besonderen Emotionen hervor.
Eine Katastrophe im Winter 2022/23 aber konnte verhindert werden, indem die USA mit LNG-Tankern begannen, Europa und insbesondere Deutschland mit Gas zu versorgen. Dies kostete mehr als das russische, was zu einer ersten Abwanderungsbewegung deutscher Konzerne, und einer Pleitewelle führte. Aber immerhin fror niemand. Um die Versorgung auch für längere Zeit sicherzustellen, begann die Bundesregierung Entlade-Terminals zu bauen.
Und nun hat die Biden-Regierung angekündigt, erstmal kein zusätzliches Gas zu liefern. Der Energieträger bleibt im eigenen Land und trägt dort dazu bei, die Preise niedrig zu halten. Damit kann Biden die Inflation weiter drücken, die FED die Zinsen senken, die Märkte steigen. Das bringt wirklich Wähler.
Deutschland rutschte dieses Quartal übrigens erstmals seit der Finanzkrise 2008 wieder in eine Rezession (das Corona-Jahr 2020 ausgenommen). Das Handelsblatt zitiert Sefe, einer der großen Gasimporteure Deutschlands, mit den Worten: „Das von der US-Regierung einseitig beschlossene Moratorium betrifft uns als Unternehmen und generell die Stabilität und Versorgungssicherheit der europäischen Energiemärkte.” Auch die Klimakleber scheinen ihren Auftrag erfüllt zu haben. Aufgrund der gestiegenen Energie-Kosten verlassen immer mehr Unternehmen das Land. “Fuck the EU”, wie Victoria Nuland einst sagte, oder eben:
Good job, Mr. President!
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FYI Germany #3: https://www.welt.de/wirtschaft/plus248382218/Industrie-Ploetzlich-ist-Deutschland-die-drittgroesste-Wirtschaftsnation-der-Welt.html
Ich glaube, dieser Absatz ist nicht ganz korrekt:
"Die zweite Meldung hat ebenfalls mit fossilen Energieträgern zu tun. Präsident Biden hat vergangene Woche einen Lieferstopp von Flüssiggas nach Europa verkündet. Aus Klimagründen, lautete die offizielle Begründung. Die USA wählen ja in ein paar Monaten, da wolle man potenzielle Wähler nicht mit einer schlechten Klimapolitik verärgern. "
Es geht nicht um einen Stopp der Exporte, sondern um einen Stopp der Genehmigungen für *neue* Export-Terminals.
Doomberg zitiert diesen Link auf Reuters, der das beschreibt:
https://www.reuters.com/business/energy/biden-pauses-approval-new-lng-export-projects-win-climate-activists-2024-01-26/