Die Trumptäuschung
Viele freiheitlich denkende Menschen hatten große Hoffnungen auf die Trump-Regierung gesetzt. Der Angriff auf den Iran zeigt: Er hat alle getäuscht.
Liebe Abonnenten,
diese Woche ist eine Hoffnung gestorben. Es war nie einfach, Donald Trump gut zu finden. Seine Großmäuligkeit und Narzissmus wirkt auf jeden abstoßend, für den Politik mehr ist als eine große Unterhaltungsshow. Aber es war möglich, ihm seine charakterliche Unreife nachzusehen, wenn man an seine Ziele glaubte. Rechts und Links sind Kategorien des 20. Jahrhunderts. Im 21. Jahrhundert findet der eigentlich Kampf zwischen dezentralen Strukturen und autoritärem Zentralismus statt. Trump konnte relativ glaubhaft vermitteln, gegen eine bürokratische Weltregierung mit zweifelhaften Motiven einzustehen. Er ziehe für Freiheit und Frieden in den Wahlkampf, hieß es. Damals erschien das glaubhaft:
2024 regierte die USA pro forma ein seniler Präsident. Die wahre Macht hatte eine Gruppe, die immer wieder als „Deep State“ bezeichnet wurde. In Bidens Namen wurde weltweit eine groteske Impfkampagne ausgerollt. Die wahre Herkunft des Virus dagegen wurde von denen verschleiert, die für seine Entwicklung in Wuhan verantwortlich gewesen waren. Damit dies gelang, wurden die großen Social Media Plattformen um Mithilfe bei Zensur gebeten. Unterdessen wurde nichts getan, um auf diplomatischen Weg den blutigsten Krieg in Europa seit 1945 zu verhindern. Im Gegenteil: Man schnitt Deutschland von seiner Energieversorgung ab, machte das Land abhängig von amerikanischen Flüssiggas und heizte den Krieg in der Ukraine immer weiter an.
Trump hatte mindestens drei Dinge versprochen. Erstens: Transparenz. Die Zensur auf den großen Plattformen wie X und Facebook sollte beendet werden. Leute wie J.D. Vance versprachen die Veröffentlichung der Epstein-Files. RFK jr. wollte den pharmakologisch-industriellen Komplex aufarbeiten. Elon Musk hatte sich daran gemacht, die Bürokratie zu verkleinern und die Goldreserven zu überprüfen. (Beim Versuch, Fort Knox zu inspizieren, scheiterte er und musste abtreten.)
Zweitens: Prosperität. Die Trump-Administration arbeitete eng mit Leuten aus dem Silicon Valley zusammen, um die KI-Revolution voranzutreiben. Auch die Bitcoin- und Crypto-Regulierung zählte dazu. Damit sollte sichergestellt werden, dass eine Demokratie die „Superintelligenz“ zuerst erreiche, bevor ein autoritäres Regime wie China diese für sich nutzen könne.
Vor allem zog Trump in den Wahlkampf mit dem Versprechen, keine neuen Kriege zu beginnen, und alte zu beenden.
Auf jeden Fall das wichtigste dieser Versprechen hat Turmp vergangener Woche gebrochen. Egal, wie sich der Konflikt entwickelt (darüber geht es im zweiten Teil für zahlende Abonnenten) - MAGA ist tot. Trump ist nicht mehr als eine Neocon-Fratze. Egal, ob der Krieg im Nahen Osten morgen mit Verhandlungen beendet wird (unwahrscheinlich), oder sich zu einem Flächenbrand entwickelt, der uns noch Jahre beschäftigen wird (wahrscheinlich), Trump ist unglaubwürdig geworden. Schlimmer noch: Er hat alle getäuscht.
Die hässlichen ICE-Einsätze lassen sich nicht mehr als größeren Kampf gegen ein heimliches Bevölkerungsaustauschprogramm des Deep States interpretieren. Die Umbenennung des Verteidigungsministerium in „Department of War“ ist keine schrullige Methode, um auf Social Media zu punkten. Der Versuch, Grönland zu annektieren, kein antikoloniales Vorhaben im Sinne mancher Grönländer. Es ist schlichtweg eine gigantische Shitshow.
Wie und warum es dazu gekommen ist, bleibt offen für Spekulation. Gut möglich, dass der israelische Präsident Netanyhau kompromittierendes Material über Trump und seine Aufenthalte auf Epstein Island besitzt (Trumps Verwicklungen mit Jeffrey Epstein sind ungeklärt).
Denkbar ist auch, dass die Neocon-Fraktion unter Marc Rubio Trump versprochen hat, er könne als großartigster Präsident der USA in die Geschichte eingehen, wenn ihm im Iran dasselbe gelingt wie in Venezuela. Vielleicht ist auch allen der Erfolg des chirurgischen Eingriffs in Caracas zu Kopf gestiegen. Oder der Deep State ist schlicht zu mächtig und hat den internen Kampf um die Macht gewonnen. Doch das sind alles Spekulationen, wir wissen es nicht.
Am Ende bleibt eine gigantische Enttäuschung. Der Krieg gegen den Iran ist nicht nur Trumps Einknicken vor den Neocons und der Israel-Lobby. Er ist nicht nur Verrat an Millionen von Wählern, die für ihn stimmten, weil sie ein Ende der Kriege wollten. Der Krieg stürzt auch eine Region ins Chaos und kann hunderttausende Menschenleben kosten.
Im zweiten Teil: Eine geopolitische Rundschau - wie der Iran-Krieg zu einem Flächenbrand wird und die Weltwirtschaft lahmzulegen droht. Außerdem: Über welche Effekte des Krieges eher nicht gesprochen wird.






