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Der Preis der Gurke

In ein paar Wochen trifft uns ein Inflationsschock. Die meisten Menschen sind darauf nicht vorbereitet

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März 22, 2026
∙ Bezahlt

„We are running out of gas.“

Jimmy Carter, US-Präsident 1977

Liebe Abonnenten,

erinnert sich noch jemand an die Gurkenpreise aus dem Jahr 2022? Damals kostete eine Salatgurke zeitweise 2,50 Euro im Supermarkt. Es sind diese Momente, in denen den meisten Menschen auffällt, was Inflation eigentlich ist. „Gurken werden zum Luxusgut“, schrieb die BILD-Zeitung damals. Der Grund: Durch den Ukraine-Krieg zogen die Preise für Energie- und für Düngemittel an. In der Folge wurden Gurken teurer.

Die schlechte Nachricht zuerst: Bald wird wieder alles teurer werden. Noch schlimmer: Bald wird wieder alles noch schneller teurer werden. Denn teurer wird ohnehin alles. Die Rate der Teuerung wird sich aber nochmals beschleunigen. Der Grund dafür liegt einige tausend Kilometer südöstlich im Persischen Golf.

Ich weiß, eine Antwort gerade in Deutschland lautet: “Dann müssen wir eben noch unabhängiger von fossilen Brennstoffen werden!” Prinzipiell kein falscher Gedanke. Er ist nur etwas naiv. Öl ist nicht deswegen das Lebenselixier der Weltwirtschaft, weil Ölkonzerne es so wollen, sondern weil es einen der höchsten Erntefaktoren überhaupt hat. Das heißt, man muss relativ wenig Energie aufwenden, um an den Energieträger zu kommen. Nicht nur das: Öl und Gas werden nicht nur zur Energiegewinnung genutzt. Ein Nebenprodukt von Gas zum Beispiel ist Stickstoff. Den braucht man zur Herstellung von Düngemitteln. Weil der jetzt knapp wird, werden noch dieses Jahr die Lebensmittelpreise steigen.

Ebenso Helium: Das Gas ist ein Nebenprodukt der Erdgas-Förderung. Dementsprechend fehlt gerade ein Drittel des Bedarfs aus Katar. Engpässe bedrohen die Halbleiterproduktion in Ostasien und sogar den Betrieb von MRT-Geräten in Krankenhäusern, die auf Helium zur Kühlung angewiesen sind.

Flüssiges Helium lässt sich ungefähr 45 Tage lagern, dann verdunstet es. Bleiben noch so knapp drei Wochen also, bis sich der Angebotsschock weltweit richtig bemerkbar macht.

Der Markt nimmt das bisher relativ gelassen. Zu gelassen. Der Ölpreis (WTI) ist wieder unterhalb die Marke von 100 US-Dollar gerutscht. Es zeichnet sich ab, dass Donald Trump und sein irrer Kriegsminister Pete Hegseth sich jetzt Kuba zuwenden, um von dem Debakel im Iran abzulenken.

Die meisten Anleger setzen unterdessen auf die Zentralbanken: Die werden es schon richten, wenn es an irgendeiner Stelle knirscht oder ein Crash droht, macht der Money Printer eben brrr. Geld wird ins System gebracht - entweder klassisch über Zinssenkungen oder kreativ mit Methoden wie QE und anderen.

Schließlich befand sich die Weltwirtschaft vor ziemlich genau sechs Jahren in einer ähnlich prekären Situation. Kurz darauf öffneten die Zentralbanken die Geldschleusen, senkten die Zinsen, gaben sogar Helikopter-Geld aus: Jeder Amerikaner erhielt 1200 US-Dollar. Einfach so. Viele kauften damit Kryptowährungen und Meme-Stocks und trieben die Kurse in ungeahnte Höhen.

BlingBling hat selbst darüber geschrieben, weshalb die meisten Crashs Kaufgelegenheiten sind. Nachzulesen hier:

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Es gibt bloß ein Problem: Die meisten Zentralbanken haben ein Mandat. Es lautet Preisstabilität. Zumindest auf dem Papier darf die Inflation kein großes Problem sein. Die Teuerungsrate muss idealerweise um die zwei Prozent pro Jahr liegen. Steigen die Preise stärker, hat die Zentralbank den Auftrag, den Geldkreislauf zu verlangsamen, um die Teuerung zu entschleunigen. Das ist fast immer schlecht für Anleger, da die Preise von Aktien, Bitcoin und Gold fallen.

Doch wenn die Ölpreise dauerhaft hoch bleiben, steigen die Preise: Für Halbleiter, für Düngemittel, für Gurken. Die Inflation nimmt an Fahrt auf. Die Zentralbanken dürfen dann nicht Liquidität bereitstellen. FED-Chef Jerome Powell hat sich schon vor dem Iran-Krieg Trumps Forderungen widersetzt, die Zinsen zu senken. Warum sollte er es jetzt tun?

Was also passiert in ein paar Wochen? In Asien bekommt man bereits einen Vorgeschmack. Hier in Thailand sind Angestellte von Staatsbetrieben dazu angewiesen, im Home Office zu arbeiten. Damit will man den Strom für die Klimaanlagen sparen. In Sri Lanka dürfen Privatpersonen nur noch 15 Liter pro Woche tanken. In Indien wird das Benzin für Feuerbestattungen rationiert. Rationierungen sind immer eine Möglichkeit auf Knappheit zu reagieren. Sie lösen aber das Problem der Knappheit nicht, sondern schalten oft nur das Signal aus, den Preis. In der Folge entsteht ein Schwarzmarkt, und damit Korruption und Kriminalität.

Die Effekte von teurer Energie sind mittelfristig immer dieselben: Unternehmen können nicht mehr produzieren. Lieferketten brechen. Kredite können nicht mehr zurückgezahlt werden. Firmen gehen pleite. Der Aktienmarkt bricht ein. Lockdowns - dieses Mal nicht, um ein Virus zu stoppen, sondern um die Nachfrage zu zerstören.

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Erst wenn das geschehen ist, entstehen wieder Spielräume für die Geldpolitik. Denn wenn erst einmal tausende von Unternehmen die Produktion eingestellt haben und die Verbraucher kein Geld mehr haben, etwas zu kaufen, sinkt die Nachfrage. Irgendwann ist die Nachfrage so weit zurückgegangen, dass die Preise wieder fallen. Auf Englisch heißt das „Demand Destruction“. Was technisch klingt, ist brutal: Essen, Reisen, Heizen und Kühlen wird teurer. Das Geld am Ende des Monats reicht nicht mehr. In Schwellenländern drohen Hunger und Armut.

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Der Markt hat kaum etwas davon eingepreist. Irgendwie denkt man, dass der Iran klein beigibt, wenn man das Land nur ausgiebig zerbombt. Der wurde aber bereits zwei Mal von den USA bei Verhandlungen über den Tisch gezogen. Warum sollte er nochmals verhandeln? Noch dazu wenn man sich “revolutionärer Gottesstaat” nennt und sich auf Ali, den Nachkommen des Propheten beruft, der als Märtyrer im Kampf gegen eine Übermacht starb.

BlingBling kann falsch liegen. Vielleicht hat der Markt aktuell Recht und die Aktienkurse sind angemessen hoch. Vielleicht springt ein anderes Land in die Angebotslücke und sorgt für 20 Prozent Rohöl und Erdgas auf dem Weltmarkt. Vielleicht beliefert der Iran weiterhin Asien, aber rechnet das Öl zukünftig in chinesischen Yuan ab (so hat es Teheran bereits vorgeschlagen). Vielleicht kommt alles ganz anders. Noch ist etwas Zeit. So etwa drei bis vier Wochen.

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