Der Exodus

Zum 100. Geburtstag der kommunistischen Partei Chinas schenken sich die Kader ein Bitcoin-Verbot. Über die größte Miner-Migration des Netzwerks seit seinem Bestehen

Bitcoin: 33401$

Willkommen zur 29. Ausgabe von BlingBling!

Die kommunistische Partei Chinas feiert gerade ihren 100. Geburtstag.

Alles, alles, ALLES Gute, liebe KPCh!

Auch Elon Musk war sich übrigens nicht zu schade darum zu gratulieren.

Obiges Video ist in seiner Plumpheit ziemlich leicht zu entlarven. Wer aber eine Ahnung davon bekommen will, wie weit die Propaganda der kommunistischen Partei Chinas westliche Gesellschaften, Politik und Medien bereits infiltriert hat, dem sei das Buch “Die lautlose Eroberung - wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet” von Mareike Ohlberg und Clive Hamilton empfohlen.

Für den österreichischen Standard habe ich hier mal aufgeschrieben, was der Geburtstag der KP für China und die Welt bedeutet:

Es ist kein Zufall, dass gerade jetzt Bitcoin-Mining in China ein Ende gefunden hat. Noch vor einigen Wochen rätselte man, wie ernst die Ankündigungen des Regimes in Peking sein würden. Denn Verbote solcher Art hatte es schon öfter gegeben, nur ließen sie viele Schlupflöcher. Dieses Mal aber ist es ernst - die Miner verlassen China. Manche weinten:

In der Folge ist die Hashrate, die Metrik, die die Mining-Aktivitäten im Netzwerk misst, um über 50 Prozent in den Keller gerauscht.

Hashrate und Kurs sind eng korreliert, wie man hier sieht. Wichtig dabei aber ist: Die Hashrate folgt dem Kurs - nie umgekehrt. Steigt der Preis von Bitcoin, steigen die Anreize für Miner, Bitcoin zu schürfen. Dadurch steigt die Hashrate. Alle zwei Wochen wird die Schwierigkeit dann wieder angepasst. Fällt der Kurs, geht auch die Hashrate zurück. Wer mehr über diese faszinierenden, spieltheoretischen Zusammenhänge wissen will, findet wie so beim Podcast Bitcoin-Verstehen eine gute Erklärung.

Aber nicht nur das Mining, auch der Handel mit Krypto-Währungen wird verboten. Das in chinesischen Wirtschaftskreisen hoch angesehene Magazin Caixin (und das sporadisch sogar kritischen Journalismus in China liefern darf) verglich Kryptowährungen kürzlich mit dem Covid19-Virus, und warnte nochmals eindringlich vor Spekulation damit. Die Überschrift lautete “It’s Time to Declare War on Cryptocurrencies”.

Peking gibt damit einen Trumpf aus der Hand. Schließlich hatte man mit 60 Prozent der Hashpower zumindest die theoretische Möglichkeit gehabt, Kontrolle über das Netzwerk auszuüben. Mehr dazu in Ausgabe 23 “Bitcoin und das Great Game” und Ausgabe 19 “Dirty Fucking Coal”

Warum also hat die KPCh das Bitcoin-Verbot tatsächlich umgesetzt? Folgende Gründe sprechen dafür:

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Gleichzeitig setzt Peking auf das Motto “Blockchain, nicht Bitcoin”. Die Technologie der Blockchain (vollständige Transparenz) kombiniert mit einer zentralen Steuerungsmethode in den Händen eines autoritären Regimes aber ist der Stoff, aus dem Orwell’sche Alpträume gemacht sind:

One important way that China is seeking to achieve this objective is through BSN, a state-backed blockchain system that Beijing is expanding both at home and abroad.

China’s international blockchain platform, the BSN network, has received extensive backing from the CCP and remains an important part of the CCP’s strategic agenda to set international standards and norms as well as control access to emerging technologies.

RWR Report: China’s State-backed Blockchain Platform

Erklärtes Ziel ist es, diese Blockchain auf Länder der “Digital Silk Road” auszudehnen. Dieses eher lose Wirtschaftsnetzwerk umfasst derzeit vor allem zentralasiatische Staaten, reicht aber in ihren Ausläufern auch nach Europa (Ungarn, Serbien, Türkei). Weiter heißt es in dem Bericht:

If leveraged effectively, the adoption of Chinese blockchain infrastructure could foreseeably allow China to integrate – and hold influence over – many of the core cross-sector digital solutions being implemented by Chinese companies around the world from financial technology (fintech) to smart logistics to new supply chain management solutions.

(…) During the 2020 Hong Kong Fintech Week, BSN’s Secretary General Tan Min, indicated that the new blockchain network will allow Beijing to build global blockchain network whereby China will have “independent intellectual property rights and China [will] control the rights to internet access.

Hongkong, Dezember 2019: die letzte große Demonstration für mehr politische Freiheiten

Die Hoffnung bleibt, dass Politiker in der EU und den USA die Gefahr dieser Technologie für Freiheit und Datenschutz frühzeitig erkennen. Wahrscheinlicher aber ist, dass hierzulande eher versucht wird, das chinesische Modell schlecht zu kopieren.

Bleibt die Frage, wohin die Miner gehen werden.

Gut für das Netzwerk und die Reputation von Bitcoin wäre, wenn das Gros der Hashpower sich auf den amerikanischen Kontinent verlagert und dort mit Strom aus regenerativen Energiequellen schürft. Jack Dorsey von Twitter zumindest setzt darauf:

Und tatsächlich scheint ein Teil der Miner nach Südamerika, andere in die USA, insbesondere Texas zu ziehen, wo sie eine relativ Bitcoin-freundliche Gesetzgebung und regenerative Energiequellen vorfinden.

Aber auch andere autoritäre Staaten springen in die Lücke. Neben Kasachstan, Usbekistan will vor allem der Iran ins Mining einsteigen - und das obwohl die Mullahs in Teheran erst vor wenigen Monaten Bitcoin-Miner für die vielen Stromausfälle im Land verantwortlich machen wollten:

Ein schönes Wochenende!

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